Antrag auf Anerkennung von geistlichem Missbrauch, Entschädigung und Gerechtigkeit    

Hochwürdigen  Herrn                        

Erzbischof Kardinal Reinhard Marx  

Kapellenstr. 4  

September bis 16.10.2022              

                                                                                24. Oktober abgeschickt

Antrag: Anerkennung von geistlichem Missbrauch, Entschädigung, Gerechtigkeit    

Hochwürdiger Herr Kardinal Marx,

hiermit beantragen wir Anerkennung unserer Leidensgeschichte innerhalb der sogenannten und ehemaligen „Katholischen Integrierten Gemeinde“ mit bleibenden Folgen nach geistlichem Missbrauch, die in den 80er Jahren in der ‚KIG‘ begannen und keine Alterserscheinungen sind, wie von den damals Verantwortlichen der ‚KIG‘ behauptet wird.

Weiter beantragen wir Entschädigung. Wir waren auch bei einem Rechtsanwalt, weil das Steuerbüro  der ‚KIG‘ 4 Jahre lang keine Rente für meinen Mann eingezahlt hat. Wir haben viele Jahre in Gemeinde-Betrieben gearbeitet. Ich selbst war sowieso immer mit kleinem Gehalt angestellt, auch zeitweise mit einem Minijob, obschon ich maximal-Leistungen in der Arztpraxis erbringen musste und erbracht habe.  –   Frieden kann es nur geben  mit Gerechtigkeit.

Die ‚KIG‘ war Ihnen gegenüber ihrer Informations-Pflicht seit 2011 nicht mehr nachgekommen, was ja wirklich ein Leichtes ist, ein Minimum. Ich frage mich ständig: Haben jene von der ‚KIG‘ eigentlich ein Gewissen, eine Verantwortung vor Gott?

Auch wenn Sie, sehr geehrter Herr Kardinal, der ‚KIG‘ letztendlich den Totenschein ausgestellt haben, da sie sich selbst aufgelöst hatte, müssen wir leider beklagen, dass Sie und das Erzbistum München und Freising  damals Ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind und somit die ‚KIG‘ schädigende Fehlentwicklungen für ihre Mitglieder und Angehörigen entwickelt und betrieben hat. Und das große SCHWEIGEN ist ein nicht heilender Schmerz, bis heute.  Etliche Opfer haben sich schon vor vielen Jahren ans Erzbischöfliche Ordinariat gewandt. Also wussten auch Sie davon, sehr geehrter Herr Kardinal Marx. Der Justiziar Lorenz Wolf ist zurück getreten, was ihn und das Erzbistum nicht von seiner Verantwortung zur Vergangenheit entbindet.

Wir sind sehr erleichtert, dass der Abschlussbericht der drei Visitatoren jetzt auch im EBO veröffentlicht ist! Mit dem Bericht kann eigentlich niemand mehr sagen, dass wir Opfer die Gemeinde mit „falschen Fakten“ „verleumden“,  sondern  wir sind Opfer, werden aber weiterhin beschimpft. Auf diese drei kompetenten Kirchenrechtler können Sie sich doch immer berufen, sehr geehrter Herr Kardinal! Es gab keine Kontrolle der damals Verantwortlichen, keine Korrektur. So konnte jeder auch im ‚Fußvolk‘ nach seinem Gusto ächten, ent-würdigen und aus-grenzen. Und dabei haben viele mitgemacht. 

Ich war nicht mehr ich, wusste nicht mehr wer ich bin, hatte keine eigene Würde mehr. Wir waren wie Fliegen im Spinnennetz. Es war ein weit-vernetztes System. Geistlicher Missbrauch war „in der Struktur der Katholischen Integrierten Gemeinde grundgelegt.“ Meinem Mann und mir wurde verboten Kinder zu bekommen. Seit 2001 endlich begleite ich beruflich Kinder, mit viel Freude. Es gelang mir von Anfang an, ihre Stärken und Schwächen zu führen, Stressabbau zu betreiben und sie zur Ruhe zu bringen. 18 Ehepaare unserer Generation in der Gemeinde haben keine Kinder. Die Frauen sollten die Pille nehmen. Zwei Frauen haben ihr Kind abgetrieben, unter dem permanenten Druck!  –  

Wenn man ging, wurde man als Feind geächtet. Wir wollten nicht im Bösen gehen. –           

Und auch wir wollten die Kirche schützen.  –  Verschiedene Therapien, versuchte Aufarbeitung Not-gedrungen einseitig,  mit einigen gebliebenen Freunden.  Viele der seelischen und körperlichen Schäden sind irreparabel, trotz vieler Arbeit daran, seit 21 Jahren auf eigene Kosten, Logo-Therapie wird nicht von den Krankenkassen bezahlt, ist aber die einzige Therapie, die mir hilft.

Mein Mann hat bis 72 gearbeitet, ich arbeite mit 71 noch weiter (natürlich reduziert), damit wir einigermaßen über die Runden kommen.

Ich hatte mich an Herrn Seegers gewandt, der mir in sehr vielem sehr hilfreich beigestanden hat. Wozu die anderen Beratungsstellen da sind weiß ich nicht. Was wir brauchen ist Klarheit, Wahrheit,  und Gerechtigkeit, und Entschädigung. Den geistlichen Missbrauch kann man nicht mehr verbergen. –   Und wir brauchen das Eingeständnis der Schuld der damals Verantwortlichen der ‚KIG‘. Sie machen mit anderem Namen weiter!

Andernfalls hat die Kirche ihre Glaubwürdigkeit verwirkt. 

Sehr geehrter Herr Kardinal Marx, Sie haben ein Buch über „Freiheit“ geschrieben. Ich hoffe sehr, dass Sie sich die Freiheit nehmen können, zum Einreißen der Grenzen zur ‚KIG‘, in der Liebe vor Gott, und in der Verantwortung vor Gott. Wir hoffen, dass Sie und „die Erzdiözese weitere Schritte zur Aufarbeitung der Geschichte und Arbeit der Katholischen Integrierten Gemeinde prüfen.“ und bearbeiten. Der Kirchenrechtler Prof. Dr. Heribert Schmitz hat 2005 festgestellt: „Die betreffenden Ausschlussverfahren von Mitgliedern sind … rechtswidrig.“

Für eine Verantwortungsübernahme von Missbrauch gibt es andere Beispiele: … Die französischen Bischöfe verkaufen Immobilien zur Entschädigung der Opfer. – In Kanada ähnlich. …

Aus der Fidelis-Stiftung der ‚KIG‘ werden die Renten der Lehrer der Schulen bezahlt. Daraus sollte als Minimum auch unser Rentenverlust von 261 Euro monatlich gezahlt werden. Die ‚KIG‘ besitzt noch das Hotel „Fischer am See“ in Urfeld am Walchensee, dort auch das feudale Begegnungshaus „Marlene-Kirchner-Haus“, und noch die ehemalige Grundschule in München Solln. Aus deren Erlös kann sie auch Renten bezahlen. Wir waren auch beim Rechtsanwalt. Aber das ist mehr als 30 Jahre her, und deswegen verjährt. Aber die Folgen verjähren leider nicht.   !

Andernfalls müssen wir uns an die Bischofskonferenz wenden, ggfs. auch an die Presse.

In der Maria-Theresia-Klinik am Bavariaring hängt ein Qualitätsmanagement im Flur:      

„Wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht! 

Wer aus Fehlern lernt, wird in Zukunft weniger Fehler machen! 

Verschwiegene Fehler sind die gefährlichsten Fehler!“

Bitte ziehen Sie die Konsequenzen aus dem Bericht der kompetenten und gründlichen Arbeit der Visitatoren und handeln danach.

Falls Sie ihn noch nicht gesehen haben, empfehlen wir Ihnen den Dokumentar-Film im Bayrischen Rundfunk br.de  und youtube.com: „Geknechtet unterm Kreuz – Leben in einer katholischen Sekte“,  kurze  44 Min. Böses muss man böse nennen dürfen, entgegen der heutigen „Toleranz des Relativismus.“

„Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Amos 5.24  

In hoffnungsvoller Erwartung,

Monika Kindler,  und Ehemann Hans-Joachim Kindler 

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