Beitrag zur Visitation von Friederike Wallbrecher

Beitrag Friederike Wallbrecher, geb. Pesch, geb. 31.5.1965 in Freiburg im Breisgau, geschrieben am 18.1.18,

wohnhaft in: Via Domenico Silveri 30,00165 Roma, ltalia, tel:0039/3385356983, frito@centropa.net

 

Thema Kinder in der KIG / Umzüge

lm August 1977 kamen meine Eltern Ingeborg Pesch, geb. Van Meegen und Prof. Dr. Dr. Rudolf Pesch mit meinem Bruder Berthold und mir zur Integrierten Gemeinde. Ende September 77 zog ich (12 J), ohne die Eltern und den Bruder, in ein anderes, nicht zu Fuß zu erreichendes, „Integrationshaus“, fühlte mich von meiner Mutter verstoßen. Mein Vater, der von 1977-1984 zwischen Frankfurt am Main, dann Freiburg im Breisgau und München pendelte und an den Wochenenden im Grunde nie anwesend war, hatte, wie ich nach meiner Hochzeit 1996 von meiner Schwiegermutter erfuhr, in diesen Jahren ein Verhältnis mit einer Frau, mit der er viel zusammen arbeitete, das, wie er selbst schrieb „an den Rand des Ehebruchs“ ging. Er hat es meiner Mutter gestanden und sie hat ihm damals verziehen. Ich wollte damit auf die langen Trennungszeiten der Eltern hinweisen. Die Trennung von der Mutter war für mich ein tiefer Schock, auch wenn wir später immer wieder zusammenzogen. Die sehr große Häufigkeit der Umzüge innerhalb der IG, die im Gehorsam der Gemeindeleitung gegenüber von mir unternommen wurden, empfand ich als extrem überfordernd (etwa 10 Umzüge innerhalb von 4-5 Jahren).

Thema Beichte

Ich bin während meines Lebens in der KIG (1977, mit 3 Jahren Unterbrechung bis 2007) kein einziges Mal beichten gegangen, geschweige denn persönlich dazu angehalten worden.

Thema Überwachung

Innerhalb der Gemeinde gab es für mein Verständnis eine regelrechte Überwachungskultur.

  • Als Frau x in Rom zu den verantwortlichen Gemeindemitgliedern gehörte, wurden ihr von Personen Informationen über unser Eheleben zugetragen. Mein Mann Tobias kann dies bezeugen.
  • Als ich einmal zum Gemeindegottesdienst (Rom) ging und mein Mann erstmals derweil die Kinder hütete,  bekam ich von meiner Schwiegermutter zu hören, ein Gemeindemitglied x, der zu Gast beim Gottesdienst in Rom war, habe ihr geschrieben mein Mann müsse jetzt bei den Gottesdiensten Kinder hüten….
  • Wenn meine Kinder (im Kleinkindalter) erkrankt waren, musste ich dies auf der Krankenstation in München Frau x melden (mein Mann ist Arzt).
Thema Gemeindezugehörigkeit

Ich selbst hatte mich subjektiv als Gemeindemitglied betrachtet, wurde aber vom Glauben her stets in eine ,,geringere Kategorie“ eingeordnet als mein Mann. Zufällig las ich ca. 1997 eine interne Gemeindezeitung, die eine Liste enthielt, wo ich als „Freund“ der Gemeinde kategorisiert war, mein Mann als leitendes Mitglied. Was mich betraf war, dass niemand mit mir darüber gesprochen hatte.

Thema Arztgeheimnis

Ich bin überzeugt, dass in der KIG das Arztgeheimnis – natürlich bestmeinend – nicht immer gewahrt wurde. So wurde meiner persönlichen Erfahrung nach manchmal bei Versammlungen über erkrankte Personen gesprochen, um diesen zu helfen. Als konkretes Beispiel weiß ich, was meine Person betrifft: Meine MS Diagnose erfuhr ich nicht vom behandelnden Arzt, Gemeindemitglied, sondern von meiner Schwiegermutter, der Gemeindeleiterin, auch dies war sicherlich bestmeinend, das bezweifele ich nicht.

Thema Priester in der KIG

Ich kann mich nicht erinnern persönlich einen mir bekannten Priester der KIG als Seelsorger erlebt zu haben. (Auch nicht nach meiner MS Diagnose 2001 als wir noch Mitglieder waren.) Erst in den Jahren vor unserem Ausscheiden 2009 boten die in Rom lebenden Priester auf unser Drängen hin zwei bis dreimal Beichtgelegenheit an.

Ich wurde nach dem Verlassen der KIG (eine notvolle Situation) niemals von einem Priester der KIG kontaktiert, geschweige denn besucht. Ein einziges Mal wurden wir von einem Priester gefragt, warum wir denn eigentlich ausgetreten seien.

Thema psychischer Missbrauch

In den ersten Jahren meiner Ehe (1996/97/98) erlebte ich für mein Verständnis psychischen Missbrauch durch Gemeindemitglieder (vier Personen), die den Anschein gaben, im Auftrag meiner Schwiegermutter zu handeln:

Sie und andere, setzten mich unter Druck, dass ich 4 Monate nach der Hochzeit, Sept.1996, (kurz nach dem spontan Abort meines ersten Kindes) gegen meinen innersten Willen, ohne meinen Ehemann von Rom nach München in eine Integrationswohnung ziehen musste, die ich nicht auswählen konnte, um dort „Haushalt“ zu lernen. Mein Mann vertraute seiner Mutter und den ihr zuarbeitenden Verantwortlichen Gemeindemitgliedern voll und protestierte nicht.

Als wir noch in Rom lebten (nur sehr kurz in einer kleinen, gemeinsamen  Wohnung, dann in einem einzelnen Zimmer in einer Integrationswohnung) wurde mir von Frau x verboten dieses Zimmer zu betreten, wenn mein Mann dort Mittagsruhe hielt – mein Mann wusste davon nichts. Ich traute mich bei solchen Gelegenheiten nicht mich zu wehren, da ich Angst hatte ganz von meinem Mann getrennt zu werden. (So wurde mir in Rom von Frau x, die angab sie sei nach Rom geschickt worden, um unsere Ehe zu retten, ans Herz gelegt, nicht von meinem Mann Tobias als „mein“ Mann zu reden.)

Mein Mann lebte in der Zeit, als ich in München war, in einem lntegrationshaus in Rom, wo drei junge, unverheiratete Frauen mitlebten, von denen eine für mein Empfinden psychisch und faktisch (…) von meinem Mann abhing, was natürlich für mich zusätzlich schwierig war.

In den fast 9 Monaten in München erlebte ich Phasen großer psychischer Unterdrückung und Depression und bekam ernsthafte Suizidgedanken, da ich mich so unter Druck gesetzt fühlte:

Beispiele

  • Ich komme am Abend nach Hause, ein Gemeindemitglied steht zu meiner Überraschung in meinem Zimmer und „räumt meinen Kleiderschrank auf“, ohne mich vorher gefragt oder verständigt zu haben.
  • Frau x verbietet mir in meiner Freizeit Hebräisch zu lernen, da mich dies vom Haushalt lernen ablenken würde.
  • Das Telefon, mit dem ich mit meinem Mann telefonieren kann, steht mitten in einem Flur einer Integrationswohnung, wo 8 – 10 Personen leben und ein- und ausgehen. Ich fühle mich überwacht und werde von Frau x dazu angehalten die Telefonate mit meinem Mann nicht zu lange zu führen, damit mein Mann nicht ermüde…
  • Mein 9-monatiges Haushaltlernen besteht darin, dass ich täglich die gemeindeeigene Krankenstation putze, insgesamt einen einwöchigen Kochkurs in der dortigen Krankenstationsküche machen darf, worüber ich zu größter Dankbarkeit verpflichtet werde.
  • Mit einer Person an meinem Arbeitsplatz soll ich, so wird mir gesagt, nicht in persönlichen Kontakt treten, da sie psychisch gestört sei: wieder das Gefühl überwacht zu werden.
  • Ich werde ernsthaft dazu angehalten nicht an der Beerdigung meines Großvaters väterlicherseits teilzunehmen (nicht Teil der Integrierten Gemeinde), dies würde mich vom Haushalt lernen ablenken und den kurzen Kochkurs unterbrechen.  
  • Ich werde eingesetzt einer Tochter von Frau x Nachhilfestunden zu geben und sie an den Nachmittagen erzieherisch zu begleiten.
  • Ich fühlte mich durchgehend in dem psychischen Druck belassen, nicht die „passende“, ausreichend gläubige Frau für meinen Mann zu sein und gefühlt erst noch von Frau x, ihrem Mann und anderen Gemeindemitgliedern umerzogen werden zu müssen, um passend zu werden. Dafür gibt es Zeugen.
  • In mein Zimmer in München wurde kein Ehebett gestellt: mein Mann war gezwungen woanders zu übernachten, wenn er (selten) nach München kam. Aus Angst, dass wir auf Dauer getrennt werden, konnte ich mich ihm nicht öffnen.

Erst als ich mir Monate danach, ermutigt durch eine erneute Schwangerschaft, ein Herz fasste, die Gemeindeleiterin (meine Schwiegermutter) zu verständigen, dass ich nach Rom zurückwolle, sonst würde ich meinen Mann Tobias und die Gemeinde mit unserem Kind verlassen, durfte ich umgehend wieder dorthin, jedoch nicht zu meinem Mann nach Rom, sondern in das Gäste- und Tagungshaus der KIG bei Frascati, die Villa Cavalletti, wo ich unter „Aufsicht“ von Frau x kam.

Auf dem Weg zum Flughafen sagte mir Herr x ernsthaft ich müsse mich nun aber lN ALLEM meinem Mann unterordnen, auch in der Sexualität.

Als es dann noch etwa 7 Wochen bis zur Geburt unseres ersten Kindes waren, fühlte ich mich von sogenannten Verantwortlichen in Villa Cavalletti unter Druck gesetzt das Kind in München zu gebären und nicht in Rom, das würde meinen Mann beim Aufbau der Arztpraxis behindern. Ich gehorchte gegen meinen innersten Willen, auch mein Mann, jedoch setzten die Wehen 4 Tage vor dem geplanten Flug ein und ich gebar das Kind als Frühgeburt in Rom: Auf Grund des psychologischen Drucks „verheiratet als ob nicht“, (ein Kind kriegen als ob nicht), war ich in keiner Weise auf die Geburt des Kindes vorbereitet (ich hatte nicht mal den Notkoffer, geschweige denn Windeln, Kleidung für das Kind etc. …). Ich fuhr in die Klinik mit dem Gefühl Gott strafe mich, weil ich im Herzen der Gemeinde nicht hatte gehorchen wollen. Ich bekam das Kind nach der Geburt nicht zu sehen, Kaiserschnitt, und wurde nicht von meinem Mann begleitet, sondern von Frau x, als ich es fast gegen meinen Willen am Tag danach sah. Ich flehte die Ärzte im Gemelli Krankenhaus an, mich länger im Krankenhaus zu behalten, als nötig, um nicht so schnell in das IG-Gemeinde-Ambiente in Villa Cavalletti zurückkehren zu müssen – mir wurde nicht gestattet zu meinem Mann zu ziehen.

Ohne mich zu informieren wurde mir Frau x (als Zeuge kann ihr Ehemann aussagen) als Kinderkrankenschwester geschickt, die mich daraufhin in der Villa Cavalletti gemeinsam mit Frau x, ihrer Auffassung nach auf Wunsch der Gemeindeleiterin, meiner Schwiegermutter, von München aus, für mein Empfinden unter Druck setzte:

  • Ich hatte kein Telefon im Zimmer, damit ich nicht so lange mit meinem Mann telefonieren solle, der sonst Kraft verliere seine Praxis aufzubauen (mein Mann kam nur an den Wochenenden),
  • ich musste im Appartement von Frau x duschen, da mein Zimmer ohne Bad war. Mir wurde ein genauer Tagesplan auferlegt mit Gymnastik, einsamen Spaziergängen und ich durfte mein Kind nicht zu mir nehmen, wenn ich dies wollte etc.,
  • an den Gottesdiensten und Gemeindegebeten durfte ich nicht teilnehmen, da doch vorrangig sei, dass Frau x daran teilnähme – ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen eine Kinderfrau vor Ort zu bestellen, mich besuchte aber auch kein Priester usw. und ich bekam das Gefühl, Geburt sei Krankheit und ich sei eine unerzogene, ungläubige Frau, der x-Dynastie nicht würdig.
  • Die Babynahrung wurde aus München importiert ohne mein Einverständnis.
  • Beim Stillen stand Frau x vor mir und legte fest wie lange an jeder Brust zu säugen sei…
  • Ich geriet psychisch sehr unter Druck: das Baby bekam nach 5 Wochen einen Leistenbruch und wäre für mein Verständnis wegen panischer Handlungsweise der anwesenden Kinderkrankenschwester Frau x im Beisein von Frau x, (die mich daran hindern wollte meinen eigenen Ehemann zu verständigen) welche beide offensichtlich selbst in großem psychischen Druck handelten, beinahe gestorben, wie der von einer mir unbekannten Person verständigte Kinderarzt aus Grottaferrata bestätigte.

Erst nach diesem Vorfall wurde mir gestattet mit meinem Mann und unserem ersten Kind in Rom in eine eigene Wohnung zu ziehen.

Weiteres Beispiel für Fremdbestimmung und eigenartiges Handeln

lm Jahr 2003 anlässlich des 80. Geburtstages meiner Schwiegermutter Frau x in München wurde ich vom damaligen Rektor des von Mitgliedern der KIG geführten Gymnasiums in Eggenberg angesprochen, wie er sich freue, dass ich jetzt bald mit den Kindern nach München zöge und in der Schule mit einsteigen würde ! Ich war davon nicht informiert worden und konnte mich mit Hilfe meines Mannes weigern: Später einmal fand ich einen Brief in einer Gemeindezeitung von Frau x,  in dem sie der Gemeindeleitung vorschlägt, ich könne doch zu meiner Mutter nach München ziehen mit den Kindern, um meinen Mann für gemeindliche Aufgaben frei zu halten (die kranke Frau als Belastung des Ehemanns).

Seit mein Mann und ich 2009 die KIG verlassen haben empfanden wir uns als „tot“ behandelt, worunter wir natürlich sehr litten. Es gab auf unseren Wunsch hin ein einziges Gespräch mit zwei Personen (Leitungsteam) in einem Restaurant in Castel Gandolfo im Beisein von Don x. Kaum eines unserer Schreiben wurde von der Leitung der KIG beantwortet, keine unserer Einladungen und Bitten zu versöhnlichen Aussprachen oder auch klärenden, wahrheitsfindenden Gesprächen überhaupt beantwortet.

Thema Finanzen

Mein Vater Prof. Dr. Dr. Pesch hatte in seinem Testament von 1988 meinen Bruder und mich (wir gehörten zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Testament nicht zur KIG) zugunsten der KIG enterbt, wurden von ihm nicht davon informiert. (Mein Vater änderte das Testament vor seinem Tod, gesetzliche Erbfolge trat ein.)

Mein Vater verstarb am 13.1.2011 bei meiner Familie in Rom. Nicht eine Woche war vergangen, als ein katholischer Priester aus der KIG bei uns anrief, es läge ein Testament meines Vaters vor, man solle sich deswegen „verständigen“. Wir informierten ihn, dass mein Vater ein neues Testament verfasst hatte, waren aber schockiert ob der Skrupellosigkeit dieses Anrufs.

 

Ich bestätige, dass ich all dies Aussagen so wahrhaftig wie möglich niedergeschrieben habe und stehe für weitere Aussagen von Rom aus selbstverständlich zur Verfügung.

Rom, 18.1.2018

Friederike Wallbrecher

 

Gekürzte, anonymisierte und leicht angepasste Fassung vom 6.10.2021

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